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donnerstag/der 23./oktober
Permakultur Akademie
Permakultur Institut e.V.
Kreutzigerstr. 19
10247 Berlin
Tel: 030/89208488

Permaculture Design Seminar in Nigeria

Vom 22.11. bis zum 04.12.2010 fand auf unserer Farm in Lagos State/Nigeria ein 72h Permakultur Kurs statt. Ermöglicht wurde der Kurs durch SONED Berlin und Brandenburg, die Permakultur Akademie und zahlreiche private Spender.

 

Unsere Lehrer waren John Button, Christina Werdermann und Jan Georg Fischer, den meisten von euch wahrscheinlich besser bekannt als Kipper. Die drei haben sich in ihrer Verschiedenartigkeit perfekt ergänzt, so dass wir trotz der Fülle der Informationen die zu vermitteln waren, eine wirklich gute Zeit zusammen hatten.Die Wechsel zwischen theoretischem Unterricht, Gruppenarbeiten und Raum für eigene Versuche waren gut gesetzt und die Pausen boten genug Raum für Diskussionen, Austausch und weitere Experimente. 

Als „Klassenräume" standen uns ein kühler Schattenplatz unter den Citrusbäumen, eine Hütte am Community Centre und unser Essplatz hinterm Farmhaus zur Verfügung. Am Community Center gab es dann auch das Abendprogramm mit Filmen, Fotodokus und Begegnung mit der Dorfbevölkerung bei Tischtennis und solargekühlten! Getränken.

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Als erstes ging es darum unsere Beobachtungsgabe zu schulen, den Blick zu schärfen fürs Ganze und die Details. Danach haben wir uns eine Vorstellung über Ökosysteme erarbeitet. Wir haben räumliche und zeitliche Muster beobachtet, ein Verständnis für Nahrungsketten und Vernetzungen entwickelt.

Der Schwamm (Sponge) war unsere erste praktische Übung auf dem Land. Nach nur zwei Wochen waren die positiven Ergebnisse für jeden deutlich sichtbar. Selbst empfindliche Pflanzen wie Bananen und Tomaten waren nach nur zwei Wochen im Sponge stärker und gesünder als die ungestörten Pflanzen der Umgebung. Wir waren alle sehr beeindruckt von der simplen Logik des Systems. Mittlerweile entstehen auf der Farm überall neue Sponges.

Wir haben uns eingehend mit den Prinzipien beschäftigt die Bill Mollison entwickelt hat. Dabei haben wir begriffen das Permakultur weit mehr ist als nur ein Farmingkonzept, sondern auch Werkzeuge für Gemeinschaftsbildung und soziale Prozesse liefert.

Mit A-Frame und Schlauchwaage ging es dann daran die horizontalen Linien auf dem Land zu finden, die sich eignen um Gräben (Swales) zu setzen und die uns helfen das Wasser auf unserem Land zu halten und den Pflanzen zur Verfügung zu stellen. Auch die Nährstoffe werden so nicht mehr ungenutzt in den Sumpf gespült.

Nach dem großen Überblick Ökosystem ging es dann mit dem Blick auf Zonen, Sektoren, Muster und Mikroklima mehr ins Detail. Erste Designarbeiten entstanden, Ideen zur Entwicklung der Farm kommen auf. Wie allmählich jeder Teilnehmer die Bedürfnisse und Potentiale unserer Farm zu seinen eigenen machte, hat mich sehr berührt und motiviert.

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John teilte seine Erfahrungen großzügig  mit uns. Zahlreiche Tipps und Tricks zur Gestaltung von Nahrungs-Wäldern, ihrer Pflanzung, Pflege und Erhaltung sprudelten nur so aus ihm heraus. Jeder war inspiriert, wollte gleich lospflanzen. Dem setzt die Trockenzeit hier aber gerade eine natürliche Grenze.

Viel Aufmerksamkeit schenkten wir den natürlichen Elementen und ihrem Einfluss auf das Land. Erde, Wasser, Luft und Licht, wir nehmen sie so selbstverständlich. Oder betrachten sie als Naturgewalten denen wir ausgeliefert sind. In unserem Kurs lernten wir den Einfluss der Elemente zu beobachten, zu analysieren und regulierend Einfluss zu nehmen. Von der vorsichtigen Veränderung von Mikroklima auf wenigen Quadratmetern bis zur Vorbereitung auf Naturkatastrophen kontinentalen und globalen Ausmaßes ging unsere Aufmerksamkeit.

Ein anderer wichtiger Aspekt war unser Einfluss auf das Land. Architektonische Gesichtspunkte, Energieflüsse, Grauwasser, Kompost und Komposttoilette, Müll, Wege und Haustiere waren Themen die wir uns in ihrem Einfluss auf uns und das Land angeschaut haben. Wir haben Strategien entwickelt negative Einflüsse zu minimieren und positive Einflüsse voll auszunützen.

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In zwei Gruppen versuchten wir zum Schluss all das gelernte in die Praxis umzusetzen.

Die erste Gruppe schuf ein Design für das Haus und seine direkte Umgebung (Zone 0 und 1).

Die zweite Gruppe versuchte sich an einem Design für das Community Center, das sich auch auf dem Farmgelände befindet.

Es hat mir viel Freude bereitet das gesammelte Wissen gleich anwenden zu können. Der Designprozess lief frei und leicht. Jeder gab sein Bestes, um zum Gelingen beizutragen.

In Ibadan waren wir auf einen Kurzbesuch im IITA International Institut for Tropical Agriculture. Zuerst erhielten wir Einblick in die praktische Arbeit der Forschungsabteilung. Die Rundfahrt durch das sehr weiträumige Gelände mit relativ altem Waldbestand und großem See war beeindruckend. Danach sahen wir eine Präsentation der Arbeit des IITA im Conference Center und hatten ein Dinner im Restaurant des Instituts.

Der Besuch in Osogbo war eines der großen Highlights unseres Seminars. Sangodare übernahm die Führung durch seinen privaten Heilpflanzengarten sowie den heiligen Hain. Der heilige Hain in Osogbo ist der letzte existierende Hochwald in Nigeria und gleichzeitig der einzige Ort an dem die alten Yoruba Rituale und Traditionen ungebrochen gelebt werden. Sangodare ist einer der wichtigsten traditionellen Heiler der Yoruba und hat sein ganzes Leben im heiligen Hain verbracht. Sein Wissen über dieses letzte Stück erhaltenen tropischen Hochwalds ist beeindruckend. Hinzu kommen die überwältigenden religiösen Tempel und Skulpturen die immer wieder wie aus  dem nichts im Wald auftauchen und die spirituelle Bedeutung des heiligen Haines darstellen.

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Die Ausgabe unserer Zertifikate, zelebriert als Ritual im Shrine der Fruchtbarkeit und Vielfalt, umgeben vom nächtlichen Urwald, wird für uns alle wohl unvergesslich bleiben.

Andrea: "Before the Seminar I am absolutely naive in the nature of the world I lived in. But now I am absolutely conscious of my world and what the earth needs. Now I recognize and appreciate the impact of different species both of plants and animals doing there different businesses in my world."

Thank you

Lawal Adeosun