Permakultur goes Öffentlichkeit
Ein Bericht vom McPlanet.com – Kongress in Berlin
von Christian Hoffmann und Ulrike Meißner
McPlanet.com – das klingt ein bisschen wie Fastfood und Cyberspace und eigentlich ziemlich abschreckend. Doch dahinter verbarg sich ein Kongress, der recht aufmunternd daherkam und nur wenig Cyberspace oder Fastfood im Schlepptau hatte. Der nunmehr vierte sogenannte Bewegungskongress fand unter dem Motto „Game over - Neustart!“ vom 24.-26. April in der TU Berlin statt. „Game over für den globalisierten Finanzmarkt-Kapitalismus – Neustart für Umweltschutz und globale soziale Gerechtigkeit!“
Der Kongress von attac, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Evangelischer Entwicklungsdienst, Greenpeace und der Heinrich-Böll-Stiftung versteht sich als Schnittstelle von Umwelt, Globalisierung und globaler Gerechtigkeit. Auf Panels, Foren, Infomarkt und Workshops wurde über die global anstehenden Veränderungen nachgedacht, es wurden Ideen entwickelt und Strategien mit folgenden Schwerpunkten diskutiert:
Was sind die Alternativen zur vorherrschenden Wachstumsideologie und wie lassen sich Machtverhältnisse so ändern, dass die Rechte der Menschen und der Umwelt gewahrt werden? Wie lässt sich der globale Casinokapitalismus zähmen? Welche Prozesse müssen eingeleitet werden? Was sind die treibenden Kräfte bei der Gestaltung des notwendigen Umbaus? Und was haben wir von einer neuen US-Präsidentschaft zu erwarten? Was müssen wir an unserer Lebens- und Wirtschaftsweise ändern, um eine Klimakatastrophe noch abzuwenden und den Ressourcenraubbau zu beenden? Welche Strukturen brauchen wir für eine zukunftsfähige Energieversorgung? Wie weit reichen Flächen und Trinkwasser, um die Weltbevölkerung zu ernähren? Und welche Rolle kann und muss Europa in der Welt spielen?
Die Permakultur war mit Infomarkt-Stand und dem Vortrag „Enkeltauglich aktiv – Gestalten mit den Prinzipien der Permakultur“ vertreten. Eine gelungene Kooperation von Soned e.V., der Transition Town Initiative Friedrichshain-Kreuzberg und dem Permakultur Institut e.V. bildete unseren Infostand. Hier gab es neben Infos in mündlicher und schriftlicher Form auch passende Literatur und Saatgut von Dreschflegel zu erwerben. Wir befanden uns in lokalem Nebeneinander mit dem Bergwaldprojekt, einer Kongress-Initiative zu „KLIMA.macht.FLUCHT“, der Pazifik-Infostelle, dem Netzwerk Nandu und Oxfam. Und trotz des alternativen Umfeldes scheint Permakultur in weiten Kreisen unbekannt zu sein. Auch die noch ungekürte Lieblingsassoziation aller zu „Perma“, nämlich „Frost“, wurde uns mehrfach fragend entgegengehalten. Gut, dass wir da waren und antworten konnten. Der Permakultur-Vortrag war trotz des sonntäglichen Morgens mit ca. 15 Zuhörern gut besucht und zog noch einige schöne Gespräche nach sich. Ein strahlender Publikumsmagnet unter den Workshops schien jener der Transition Town Initiative gewesen zu sein, der mit geschätzten 60 bis 80 Zuhörern gut überfüllt war und der Initiative hoffentlich regen Zulauf bescherte. Da bekanntlich auch anderswo viel diskutiert wird, ohne eine direkte Wirkung auf die Politik oder die Lebens- und Handlungsweisen der Bevölkerung auszuüben, hoffen wir, dass die Wirkung dieses Kongresses eine andere ist und für die über 1700 Interessierten und die geschätzten 50 Organisationen sollte klar geworden sein: Wir sind nicht allein mit unserem Engagement und wir dürfen uns zur Bündelung der Kräfte vernetzen. Eine Große Transformation ist nötig und viele kleine Schritte führen dahin: die Abschlusserklärung des Kongresses ist hier nachzulesen.
Christian Hoffmann und Ulrike Meißner