Die Akademie in der taz
Intensive Naturwahrnehmung
Als Konzept einer nachhaltigen Landwirtschaft entwickelt, wurde
die Permakultur auf menschliche Lebensräume übertragen.
Permakultur-Designer lernen in ihrer Ausbildung, wie Menschen,
Tiere und Pflanzen rücksichtsvoll miteinander leben können
VON MARKUS WILD
Es ist die längste Erfolgsgeschichte der Erde: Das Ökosystem ist ein
Musterbeispiel sich selbst regulierenden Wirtschaftens, erfolgreichen
Ressourcenmanagements und gesunden Wachstums. Die Permakultur
untersucht die Strukturen und Mechanismen, die dieses natürliche
System so tragfähig gemacht haben, und macht sie für die Planung und
Gestaltung eigener Projekte nutzbar.
"Ziel der Permakultur ist es, menschliche Lebensräume so zu gestalten,
dass sie produktiv und gleichzeitig ökologisch und sozial verträglich
sind", sagt die Landschaftsplanerin Christina Werdermann. "Durch
intensives Wahrnehmen der Natur, behutsames und schrittweises
Verändern werden vielfältige, sich natürlich unterstützende Systeme
geschaffen."
Werdermann nennt die Permakultur "eine Bewegung, die philosophische
Grundlagen, Gestaltungsprinzipien und konzeptionelle Lösungsansätze
für eine gesellschaftliche Entwicklung mit zukunftsfähigen Strukturen
bietet". Ein klassisches Beispiel für ein permakulturelles Design ist die
"Kräuterspirale": Dieses sich um einen Steinhaufen windende Beet ist
unter Ausnutzung der Sonneneinstrahlung und mit einer speziellen
Bodenmischung so angelegt, dass diverse Kräuter mit unterschiedlichen
klimatischen Anforderungen auf kleinstem Raum gedeihen können.
Zurück geht die Idee der Permakultur auf den Australier Bill Mollison, der
den Begriff aus der Verknüpfung der beiden englischen Wörter
"permanent agriculture" kreierte. Der später mit dem Alternativen
Nobelpreis ausgezeichnete Mollison entwickelte bereits Mitte der 70er
Jahre zum Aufbau landwirtschaftlicher Systeme das Konzept einer
nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, das sich der natürlichen
Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und Tieren bedient. Dabei
entdeckte Mollison unter anderem, was heute immer mehr ins öffentliche
Bewusstsein rückt: dass industrielle Monokulturen mit ihrem massiven
Einsatz von Pestiziden Boden und Wasser verschmutzen und die
natürliche Biodiversität reduzieren.
Grundlegend bei der Permakultur sei dagegen ein "behutsamer Umgang
mit Ressourcen", sagt Werdermann. Die 54-Jährige nutzt diesen
ganzheitlichen Ansatz in ihrer praktischen Tätigkeit als
Landschaftsgärtnerin und Gartengestalterin - zum Beispiel, indem sie
Strohballen-Häuser entwickelt. Stroh sei ein äußerst guter natürlicher
Dämmstoff, sagt Werdermann, und zudem hervorragender Schallschutz.
Zunächst für die Landwirtschaft entwickelt, greifen permakulturelle
Konzepte mittlerweile weiter: Angesichts der Ressourcenknappheit und
des Klimawandels werde gerade in den Städten die Nachfrage nach
permakulturellen Lösungen steigen, ist sich Werdermann sicher. "Ohne
Low-Energy-Konzepte wird künftig in den Städten nichts mehr gehen."
Sie verweist auf das Beispiel der "Transition Towns", einzelner Städte
und Gemeinden in Großbritannien und Irland, die sich direkt an den
Gestaltungsprinzipien der Permakultur orientieren und sich gezielt darum
bemühen, ihren Energieverbrauch zu senken und ihre
Energieversorgung von fossilen Brennstoffen abzukoppeln.
Christina Werdermann lehrt mittlerweile als Tutorin an der Permakultur
Akademie. Das ist die einzige deutsche Einrichtung, in der man sie zum
"Permakultur-Designer" ausbilden lassen kann. Unterrichtet wird hier
nach dem internationalen Curriculum, das Bill Mollison in den 80er
Jahren in einem Handbuch zusammengefasst hat. Ausbildungsgrundlage
ist ein 72-Stunden-Kurs, in dem es laut Werdermann vor allem um "die
Herangehensweise geht, darum, die Prinzipien der Permakultur zu
verstehen".
Insgesamt stehe bei der Ausbildung "nicht die Vermittlung von
Fachwissen im Vordergrund, sondern wie man die Methoden der
Permakultur nutzen kann, um ein rücksichtsvolles Zusammenleben von
Menschen, Tieren und Pflanzen zu ermöglichen", sagt Manfred Weber.
Der 48-Jährige absolviert derzeit eine Ausbildung an der deutschen
Permakultur-Akademie. Weber war in seinem "letzten Leben" ITExperte,
dann entschied er sich, aus dem Bürotrott auszusteigen. Heute
will er die "Ideen von einem nachhaltigen Leben, die sich alleine nicht
verwirklichen lassen, in die Gesellschaft tragen". Darum macht Weber
jetzt die Fortbildung zum Permakultur-Designer, wobei ihm auch gut
gefällt, dass es "keinen Frontalunterricht gibt".
Die Ausbildung ist eine Mischung aus Fernkursen und regelmäßigen
Pflichtterminen vor Ort. Stets wird an konkreten Projekten gearbeitet und
die Teilnehmer werden von zwei Tutoren betreut. Mindestens zwei Jahre
dauert die Ausbildung, und sie ist nicht automatisch zu Ende, sondern
erst dann, wenn der Studierende von seinen Tutoren zur Akkreditierung
vorgeschlagen wird. Wegen des innovativen Ansatzes wurde die
Akademie 2007 als ein offizielles Projekt der Unesco-Weltdekade
"Bildung für Nachhaltige Entwicklung" anerkannt.
Allerdings ist die Profession des Permakultur-Designers bisher kein
staatlicher Ausbildungsberuf. Und bis dahin sei es auch "noch ein weiter
Weg", sagt Tutorin Werdermann. In den angelsächsischen Ländern sei
das Konzept aber bereits bekannter und weiter verbreitet als in
Deutschland, sogar in Österreich gebe es drei Permakultur-Schulen.
Werdermann erhofft sich einen Schub durch die nächste internationale
Permakultur-Konferenz 2009 in Südafrika. Dort sollen auch die
Ausbildungsstandards weiterentwickelt werden.
Wer sich aber schon jetzt dazu entscheiden sollte, eine Ausbildung zum
Permakultur-Designer zu machen, kann zumindest sicher sein, dass er
in seiner Berufssparte nicht allzu viel Konkurrenz haben wird. Denn
bisher gibt es hierzulande nicht mehr als schätzungsweise 40
Permakultur-Designer.
Perrmakultur
In den 1970er Jahren entwickelte der Australier Bill Mollison ein System
nachhaltiger Landwirtschaft in Abgrenzung von den industriellkonventionellen
Anbaumethoden. Später wurde die Permakultur erweitert
zu einem holistisch-integrativen Denkansatz zur Gestaltung sozialer
Siedlungsräume in Harmonie mit natürlich gewachsenen Habitaten. In
Deutschland kann man eine Ausbildung zum Permakultur-Designer bei
der Permakultur-Akademie machen: Geschäftsstelle Berlin, Kreutzigerstr.
19, 10247 Berlin, Tel.: (07 00) 73 76 25 85 (12 ct/min)), E-Mail: info@
permakultur-akademie.net, www.permakultur-akademie.net MW